Die Hundeszene

Nirgends wird so viel diskutiert, gefachsimpelt und gestritten, wie in der Hundeszene. Selbsternannte Hundeprofis haben die Weisheit schon mit der Muttermilch aufgesaugt, wissen stets alles besser und können zu vielen Themen ihren Senf dazu geben. Gerade in öffentlichen Foren wird gern und oft an den Pranger gestellt. Die Moral bleibt leider allzu oft auf der Strecke. Es gibt nicht nur einen Weg, um das Ziel zu erreichen. Manche Wege sind gepflastert und andere dauern länger. Manchmal sind schmerzhafte Erfahrungen und Tränen nötig, um sich zu guter Letzt doch noch für einen anderen Abzweig zu entscheiden. Jedes Mensch Hund Team ist einzigartig und deshalb wirken gut gemeinte Ratschläge oder 08/15 Theorien selten oder gar nicht.

Gerade wenn sich Paare zu ihrem ersten Date verabreden, sollten die Fronten geklärt sein. Respekt, Nachsicht und ein Quäntchen Toleranz sind hilfreich und notwendig. Unterschiedliche Ansichten führen oft zu Konflikten. Für den Dating-Partner kann es ein No-Go sein, dass der Hund im Bett übernachtet oder Reste vom Mittagessen verspeist. Schutzhund-Begeisterte, deren Hunde im Zwinger übernachten, zeigen oft wenig Verständnis für Couch-Potatoes.

Doch über welche Themen wird am meisten gestritten?

Erziehungsmethoden

Erziehungsmethoden gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Hundebesitzer müssen selbst oder mit Hilfe einer Hundeschule entscheiden, für welche Methode sie sich entschließen. Reicht die Grundschule oder soll es weitergehen auf die Haupt-, Realschule oder sogar das Gymnasium. Die Schulform ist ebenfalls wichtig. Angefangen bei der Walldorfschule über Montessori, der Gesamtschule bis zum Internat wird viel geboten. Eine rein positive Erziehung kann klappen, muss aber nicht. Das ist immer vom Hund und natürlich auch ganz entscheidend vom anderen Ende der Leine abhängig. Veraltete Methoden sind immer noch zu finden. So gibt es Frauchen und Herrchen, die ihre Welpen im Nacken packen und schütteln, die Nase des Vierbeiners nach einem Unglück in das Pfützchen stecken und darauf beharren, dass sie zuerst durch die Tür gehen. Die Wattebauschbällchen-Fraktion verbietet streng ein Nein und clickert stattdessen in unerwünschtes Verhalten hinein. Es gibt die Rudelstellungen und Menschen, die grundsätzlich immer vor ihrem Hund essen. Beschwichtigungssignale werden interpretiert, Stress diagnostiziert und intermediäre Brücken gebaut. In diversen Hundevereinen- und Schulen werden immer noch Zwangsmethoden propagiert, während andere auf Leckerchen und positive Verstärker setzen.

Für mich ist eine konsequente Hundeerziehung wichtig. Ich sage meinem Hund, wenn ich etwas nicht will und mache ihm deutlich, welches Verhalten ich in bestimmten Situationen bevorzuge. Mein Hund darf Hund sein und ich vermenschliche ihn nicht. Ich quäle meinen Hund nicht und füge ihm keine Schmerzen zu. Ich respektiere ihn als Lebewesen und sehe ihn als volles Familienmitglied an. Entscheidungen treffe ich aus dem Bauch heraus, instinktiv und bin bisher sehr gut damit gefahren. Natürlich habe ich anfangs auch viel ausprobiert und bin so einigen Theorien gefolgt, für die ich mich heute schäme. Aber so ist das wohl mit den Wegen und dem Ziel. Jeder so wie er kann und in seiner eigenen Geschwindigkeit. Niemand sollte sich verrückt machen lassen und immer bei sich bleiben, denn sonst artet die Erziehung in Stress aus und die erwünschte Beziehung zum Partner Hund lässt auf sich warten.

Kastration

Eine Kastration sollte nur nach vorheriger medizinischer Indikation durchgeführt werden. Problemverhalten wird selten dadurch gelöst. Manchmal wird unerwünschtes Verhalten sogar noch, durch das Fehlen der Hormone, verstärkt. Schnipp schnapp und ab muss gut überlegt sein, denn diese Einbahnstraße kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Ernährung

Das Angebot ist vielseitig: Es reicht von Trockenfutter, Nassfutter, über Rohfleisch, Obst, Gemüse und sogar veganem Futter. Der Markt ist hart umkämpft. Herrchen und Frauchen haben die Qual der Wahl zwischen getreidefreiem Futter, billig, teuer, antiallergen und mit Zusatz von bestimmten Kräutern und Wundermitteln. Viele Hundebesitzer tolerieren nur schwer bis gar nicht bestimmte Ernährungsvarianten. Wenn das Hündchen dann auch noch vom Tisch frisst und gewürzte Speisen vom Mittagessen verschlingt, stößt das bei so manchen Frauchen und Herrchen auf Grenzen.

Beschäftigung

Wer will eigentlich Agility machen oder Bällchen spielen? Hundesport artet oft aus und es geht nur noch um höher, schneller und weiter. Der Ehrgeiz des Menschen macht aus so manchem Hund ein Monster. Eigentlich wollen Hunde doch nur ein gemütliches Leben führen und haben ein sehr hohes Ruhebedürfnis. Bis zu 20 Stunden Schlaf sind normal. Montags clickern, dienstags Agility, mittwochs Fährtentraining, donnerstags mantrailen und freitags Zielobjektsuche, kann viel Stress bereiten. Auch Border Collies benötigen keine Dauerbeschäftigung. Viel wichtiger ist es Ruhe zu vermitteln, die Frustrationstoleranz zu steigern und lernen, ruhig und gelassen zu sein. Doch auch hier gehen die Meinungen stark auseinander, wobei zum Glück ein Trend nach mehr Ruhe und Entspannung erkennbar ist.

Tierschutz

Das Spiel mit dem Mitleid lässt Hundeherzen nicht höherschlagen. Ganz im Gegenteil, denn so mancher Streuner aus Rumänien kann sich nur schwer an ein Leben im 4. Stock, mitten im Großstadtgetümmel, gewöhnen. Tierschutz ist gut und wichtig, doch falsch verstanden, kann es in einer Katastrophe enden.

Der großen Liebe steht nun nichts mehr im Weg

Es gibt noch viel mehr Themen, die die Hundewelt auf Trab hält und täglich neu diskutiert werden. Wissenschaftliche Methoden sind erwiesen und am nächsten Tag schon widerlegt. Gespräche auf Hundewiesen sind oft interessant, manchmal haarsträubend und nervig. Findet selbst heraus, was für Euren Hund das Beste ist und lasst Euch nicht verrückt machen. Achtet bei der Partnerwahl darauf, dass die Gegensätze nicht zu groß sind, denn sonst sind Konflikte vorprogrammiert. Vielleicht könnt Ihr die eigenen Methoden und Ansichten überdenken und Euch dem Partner annähern? Den Horizont erweitern und sich auf Neues einlassen, wirkt manchmal Wunder. Wenn dies auf beiden Seiten geschieht, steht der großen Liebe nichts mehr im Weg.

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