„Amor kommt auf Hundepfoten‟ – ein Interview mit der Autorin Katja Doubek

Was gibt es Schöneres, als entspannt in der Sonne liegend in einem Buch zu schmökern? Die bewegende Geschichte der beiden Hunde Bonny und Baldo, beginnt tragisch in Süditalien und entpuppt sich im Folgenden dennoch als große Liebesgeschichte. Wir sprachen mit der Autorin Katja Doubek über die Hintergründe und laden euch zu einer Leseprobe des Buches ein.

Artikel | Amor kommt auf Hundepfoten | Katja Doubek | interview 1dogs 2 love: Ein Buch aus der Sicht der Hunde zu schreiben klingt erst einmal spannend und ungewöhnlich. Was hat Sie inspiriert einfach mal die Perspektive zu wechseln?

Katja Doubek: Ich lebe seit meiner Kindheit mit Tieren – und habe fast immer einen Hund an meiner Seite gehabt. Meine Kinder-Lieblingsbücher waren Hugh Loftings Geschichten von Dr. Johann Doolittle, einem kleinen Tierarzt, der mit allen Tieren sprechen konnte. Ich war schon damals fest davon überzeugt, dass wir Menschen Tiere verstehen können, wenn wir uns bemühen, ihre „Sprache“ zu entschlüsseln. Meine Hündin Bonny zum Beispiel verstehe ich sehr gut – meistens!

Nur wenn sie unbedingt irgendeinen Müll auf der Straße fressen möchte – dann verstehe ich sie nicht – und das wiederum versteht sie dann nicht. Ansonsten „unterhalten“ wir uns oft und gerne. Sie hat viel zu mitzuteilen – Einige ihrer Geschichten habe ich in das Buch einfließen lassen.

 

dogs 2 love: Die Szene aus unserer Leseprobe ist vermutlich der Start der Geschichte und alles erscheint so realistisch, da Sie so detailliert und aufmerksam beschreiben. Da fragen wir uns natürlich, ob Ihr Buch auf wahren, wohl möglich selbst erlebten, Begebenheiten basiert. Ist das richtig?

Katja Doubek: AMOR KOMMT AUF HUNDEPFOTEN basiert tatsächlich auf einer wahren Begebenheit. Das ungewöhnliche Schicksal der beiden Findel-Hunde, ihre große Liebe und tiefe Beziehung zueinander, das alles hat sich exakt so zugetragen. Wenn sie zusammen waren, existierte für Bonny und Baldo nichts als ihre eigene Welt. Ein Hunde-Kosmos nur für die beiden. Die Leute haben immer gesagt: Wenn Bonny bei ihm ist, lacht Baldo – und so sah es auch aus.

 

Artikel | Amor kommt auf Hundepfoten | Katja Doubek | interview 2dogs 2 love: Als aufmerksame Beobachterin haben Sie sicherlich schon öfters die Beziehung von Hunden und Menschen unter die Lupe genommen. Was würden Sie aus Ihrer Erfahrung sagen: Gibt es charakterliche Übereinstimmungen zwischen Hunden und ihren Frauchen bzw. Herrchen?

Katja Doubek: Es heißt ja oft, Hund und Herrchen sehen sich ähnlich, das gilt aber sicher nur für reinrassige Hunde, deren Äußeres relativ vorhersehbar ist. Welpen-Mischlinge sind diesbezüglich eher schlecht einzuschätzen. Was charakterliche Angleichungen betrifft, gibt es Untersuchungen, die besagen, dass Hund und Herrchen oder Frauchen sich in harmonischen Tier-Mensch Beziehungen einander durchaus annähern. In Grenzen kann man wohl sagen: Menschen prägen durch die Art, wie sie mit ihnen umgehen ihre Hunde, und die Tiere prägen durch ihr Verhalten den Menschen.

 

dogs 2 love: Die Beziehung zu einem Hund ist eine ganz besondere und viele unserer Hundefreunde würden sicherlich unterschreiben, dass deren Treue, Zuverlässigkeit und Einfühlungsvermögen denen die von Menschen übertrifft. Was meinen Sie – wer ist der bessere Freund, der Mensch oder ein Hund?

Katja Doubek: Mensch ist Mensch und Hund ist Hund! Menschen genießen die Gesellschaft von Hunden, nehmen sie manchmal als Kind- oder Partner-Ersatz, polieren das Selbstbewusstsein mit ihnen auf, leben ihre Fürsorgeimpulse aus und suchen mit ihrer Hilfe Kontakt. Menschen vertrauen ihren Hunden Kummer, Geheimnisse und Glück an und einige fühlen sich stark im Bewusstsein, Macht über das Tier ausüben zu können. Auf all das lässt der Hund sich für den Menschen ohne Widerspruch ein. Aber ein Freund im menschlichen Sinne kann er dem Menschen nicht sein. Für sein Wohlbefinden benötigt der Hund Führung, Sicherheit, Stabilität und Konsequenz. Hunde sind Rudeltiere, brauchen ein Leit-Tier. Sie mögen menschliche Gesellschaft, aber Entscheidungen können sie nicht treffen. Das würde jeden – noch so klugen – Hund überfordern. Wer also einen Freund sucht, sollte sich unter seinesgleichen umsehen. Wer sich einen unbeirrbar treuen und anhänglichen Gefährten wünscht, tut ganz bestimmt gut daran, einen Hund in sein Leben zu holen.

 

dogs 2 love: Bei uns leben, im Vergleich zu anderen Ländern, Hunde meist ein sehr gutes Leben. Viele Menschen lieben Tiere und sind auch Hunden gegenüber positiv gestimmt. Was würden Sie jemandem empfehlen, der sich hier oder im Ausland für Hunde einsetzen möchte?

Katja Doubek: Richtig ist, dass es den Tieren in unserer Umgebung – MEISTENS – sehr viel besser geht, als in anderen – besonders südlichen – Ländern. Aber auch bei uns sind die Tierheime überfüllt, haben zu wenig Personal und Geld, werden in jedem Sommer Abertausende Haustiere ausgesetzt. Die Möglichkeiten zu helfen reichen von Geldspenden bis zu ehrenamtlichen Spaziergängen mit Hunden, Mitarbeit in Tierheimen, oder dem Anbieten von temporärer Aufnahme hilfsbedürftiger Tiere. Am besten wendet man sich an Tierschutzorganisationen, das nächst gelegene Tierheim und natürlich an die Tierärzte der Umgebung.
Artikel | Amor kommt auf Hundepfoten | Katja Doubek | interview 3

Im Ausland ist es etwas komplizierter. Grundsätzlich gilt, die optimale Hilfe für ein Tier ist, wenn es in seinem Ambiente geschützt und versorgt leben kann. Manchmal ist das nicht zu erreichen. Wir haben in den letzten 20 Jahren über 40 Katzen und etwa ein Dutzend Hunde aufgenommen, medizinisch versorgt und entweder in Deutschland oder in Italien in gute Hände vermittelt.

Wer im Süden Urlaub macht, kennt das Problem der streunenden Hunde und Katzen. Oft heißt es, Touristen sollen die Tiere nicht füttern, damit sie sich nicht daran gewöhnen und dann enttäuscht sind, wenn die Feriengäste irgendwann nicht mehr da sind. Das ist meiner Meinung nach Unsinn. Streuner haben Hunger tag-täglich oft von morgens bis abends. Diese Tiere sind froh um frisches Trinkwasser und jeden Bissen, den sie bekommen. Wenn Straßen-Hunde und Katzen sich äußern könnten, würden sie sicher sagen: Eine Woche gefüttert, ist besser als eine Woche hungern. Und wenn die Touristen abreisen, müssen und werden die Tiere sich nach einer neuen Futterquelle umsehen. Meine Devise ist immer: erstmal helfen!

Ähnliches gilt für verletzte oder kranke Tiere. Bitte! Schauen sie nicht weg, wenn ein Tier Hilfe braucht. Es gibt überall Notrufnummern und Tierärzte, die auch nachts Bereitschaft haben. Die Nummern sind ganz leicht im Internet zu finden. Veterinäre und ihre Helfer haben alles dabei, was sie brauchen, um die Tiere einzufangen und zu behandeln. Rufen Sie an und sorgen Sie dafür, dass den Tieren geholfen werden kann.

Wer Zeuge von Tiermisshandlungen, Schlägen, Kettenhaltung und/oder anderen Grausamkeiten wird, sollte sich nicht scheuen, diese anzuzeigen. Seit Jahren gelten auch in südlichen Ländern wirksame Gesetze gegen diese Brutalitäten. Das Problem ist, dass den Tieren dort noch immer nicht mit dem notwendigen Respekt begegnet wird. Und nur zu oft verschließen die Nachbarn Augen und Ohren, wenn Tiere gequält werden.

 

dogs 2 love: Natürlich lesen wir bei Büchern nicht die letzten Seiten zuerst, aber ein wenig neugierig sind wir schon. Können Sie uns verraten, ob´s ein Happy End gibt?

Katja Doubek: Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende, hat Oscar Wilde gesagt. In diesem Sinne lautet meine Antwort: Am Ende ist alles gut.

dogs 2 love: Vielen Dank für das tolle Interview und einen lieben Wuff auch an Bonny und Baldo!

 

Leseprobe aus „Amor kommt auf Hundepfoten‟

 

Artikel | Amor kommt auf Hundepfoten | Katja Doubek | interview 4

Geliebt zu werden, macht uns stark. Zu lieben macht uns mutig.

LAOTSE

 

Auf dem Parkplatz unterhalb der historischen Altstadt, sitzen zwei kleine Hunde und hecheln verängstigt. Der Rüde ist forscher als seine Schwester. Instinktiv sucht er Schutz vor der brennenden Sonne. Auf wackeligen Pfoten, die Ohren angelegt, schleicht er in den Schatten eines geparkten Autos. Seine Schwester zögert einen Moment, dann folgt sie ihm. Die Tiere ähneln einander. Dunkles Fell auf dem Rücken, hellbraun die Seiten, die Beine. Brust, Pfoten und Schwanzspitze sind weiß, die Augen rehbraun, die Knopfnasen schwarz. Jetzt sind die Nasen grau, trocken. Durch Hitze und Übelkeit im Auto haben die Welpen gefährlich viel Flüssigkeit verloren. Die kleine Hündin drückt sich im Schatten an die schützende Mauer des Parkplatzes.

Der Rüde erkundet seine Umgebung. Erst mit Blicken, dann mit zaghaften Schritten. Er wird hier nicht verdursten. In der Mitte des Parkplatzes steht eine Trinksäule. Das steinerne Becken ist zu hoch und von der Sonne ausgetrocknet. Der Rüde schnuppert, sucht, schnuppert wieder. Hoffnungslos. Hier gibt es zwar Wasser, aber nicht jetzt und nicht für ihn. Seine Schwester kauert noch immer an der Mauer. Mit wedelndem Schwanz versucht er, sie zu animieren, ihm zu folgen. Sie hat Angst. Die Furcht vor dem Ungewissen ist größer als Hitze, Durst und Hunger. Ihr Bruder wird wiederkommen. Schon auf dem Hof war immer er es, der alles ausgekundschaftet hat und dann zu ihr zurückkam. Sie rührt sich nicht vom Fleck.

Ein Wagen kommt die Straße herauf. Der Fahrer sieht den jungen Hund, der ihm den Weg auf den Parkplatz versperrt, hupt. Vom unerwarteten Geräusch erschrocken, sucht die Hündin zitternd Deckung unter einem parkenden Auto. Der Rüde macht einen Satz und hetzt den Berg hinauf in Richtung Altstadtplatz.

Die kleine Hündin hat ihr Versteck noch nicht verlassen. Fenster werden geöffnet, Türen. Menschen betreten die Straße, den Parkplatz. Fremde, bedrohliche Geräusche nähern sich. Autos und Motorräder werden abgestellt. Es stinkt nach Benzin. Der Welpe unter dem Auto hat Hunger, unerträglichen Durst und Angst. Immer wieder knallen Raketen. Ihr Bruder ist nicht wieder aufgetaucht. Alles ist fremd. Furcht erregend. Plötzlich neben dem Auto ein Duft, der die Schrecken überlagert. Mild, weich, frisch. Die kleine Hündin kann nicht anders. Sie streckt die Nase nach vorne. Sie sieht Schuhe und den Saum eines langen, weiten Rockes. Die Hundenase bebt. Seife, Creme und – Katze! Katzengeruch, wie ihn die kleine Hündin vom Hof, aus dem Stroh kennt. Dort hat sie mit jungen Kätzchen gespielt. Der vertraute Geruch lockt.

Zwei, drei, vier mutige Schritte. Die kleine Hündin sitzt statt unter dem Auto unter einem fast bodenlangen Rock. Wie in einem Zelt, einem wohlriechenden Zelt. Sie schaut sich um. Zwei Füße, die in Wildlederstiefeln stecken. Sie hebt den Kopf. Was sie entdeckt, lässt sie für einen Moment Angst, Hunger und Durst vergessen. Die Stiefel haben Fransen. Fransen sind etwas sehr Interessantes. Wenn man sie leicht mit der Nase anstupst, bewegen sie sich. Die Füße bewegen sich nicht. Von oben, weit oberhalb der Füße, dringt eine angenehme Stimme in das Rockzelt. Eine Frauenstimme.

Die kleine Hündin wendet sich wieder den Fransen zu. Diesmal nicht mit der Nase. Diesmal mit einer Pfote – sehr zart, sehr vorsichtig, aber nicht zart und vorsichtig genug. Die Frau bemerkt den Stups, lüpft den Rock und tritt einen Schritt zurück. «Ja, wo kommst du denn her? Was machst du denn da unter meinem Rock?» Sie beugt sich leicht nach vorne, spricht leise, ganz sanft. Die kleine Hündin empfindet die Situation dennoch als äußerst bedrohlich. An Flucht ist nicht zu denken. Überall Motorräder und Menschenbeine. Das Einzige, was hilft, ist: TOTALE UNSICHTBARKEIT! Sie kneift die Augen zusammen und wendet den Kopf ab. Das mit der Unsichtbarkeit klappt nicht. Die Frau spricht noch immer mit ihr. Und dann – Schreck lass nach! Geht sie in die Hocke und streckt ihre Hände aus. Menschenhände! Menschenhände haben das Tier vor wenigen Stunden brutal von der Mutter gerissen, grob in einen Kofferraum befördert und noch gröber auf die Pflastersteine dieses Parkplatzes geworfen. Die kleine Hündin hat keinerlei Bedarf an Menschenhänden. Sie duckt sich, macht sich so klein wie möglich. «Hey, Hundebaby, vor mir brauchst du dich nicht zu fürchten. Ich tue dir ganz sicher nichts Böses.» Wieder ist die Stimme zart und sanft – fast ein Flüstern. Vielleicht lohnt es sich, ein Auge halb zu öffnen … Es lohnt sich. Das halbgeöffnete Hundeauge sieht ein freundliches Gesicht, eine Brille, einen blonden Pferdeschwanz. Wenn da nur nicht diese Zupacke-Hände wären. Kurze Fingernägel, Goldringe, aber eben Menschenhände.

«Komm her zu mir. Hör auf zu zittern. Komm, kleiner Mann, ich tue dir wirklich nichts.» Die Frau flüstert Deutsch. Die kleine Hündin weiß nicht, dass es Deutsch ist. Aber wie jedes Jungtier und Menschenkind trägt sie alle Sprachen dieser Erde in sich und ahnt, was sie nicht versteht. Hier droht keine Gefahr. Sie öffnet beide Augen. Die Frau bietet ihre Hand zum Schnuppern. Seife, Creme, Katze und ein bisschen Zwiebel, aber vor allem eine Geste der Freundschaft.

Die kleine Hündin lässt sich den Kopf streicheln, hinter den Ohren kraulen. Und dann geschieht es. Mit festem Griff packt die Frau den Welpen und hebt das überraschte Tier hoch. Die kleine Hündin windet sich, strampelt und schlägt verzweifelt den Kopf hin und her. Es hilft nichts, die Frau hat sie fest im Griff. Sie drückt den Welpen an sich und flüstert unaufhörlich. Leise, schnelle Worte. Sie verspricht Fressen, Wasser, Liebe, Fürsorge, erzählt von einem Garten mit Bäumen, in deren Schatten man auch die größte Sommerhitze gut aushält. Doch so schön die Worte auch klingen, die kleine Hündin will sie nicht hören. Sie will nicht auf diesem Arm sein. Sie will nicht von Menschenhänden gepackt und festgehalten werden. Sie will zu ihrer Mutter. Sie will zu ihrem Bruder. Die Frau erweist sich als sanft, aber unbeirrbar. Zielstrebig verlässt sie den Parkplatz und wendet sich nach links, Richtung Altstadt.

 

Wie es weiter geht, erfahrt ihr im Buch Amor kommt auf Hundepfoten: Wie Bonny und Baldo uns die Liebe brachten – wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen!

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