Ein Maulkorb für den Hund? Damit tun sich viele Hundebesitzer schwer. Das ein Maulkorb dennoch sowohl für den Hund als auch für den Halter viele Vorteile bietet, darüber berichtet Carolin Opitz in diesem Artikel.

 

Von Carolin Opitz: Artikel | Maulkorb drauf 1Nachdem ich 2010 Asgard, mit knapp 7 Jahren, aus dem Tierheim zu mir nahm, musste ich mich ziemlich schnell und unverhofft mit dem Thema Aggressionen auseinandersetzen. Asgard, der liebe Schmusebär, den jeder gerne knuddeln wollte! Ein toller Hund in der Familie und mit bekannten Leuten, ein angstaggressiver Hund fremden Menschen gegenüber, die ihn immer gerne anfassen wollen. Asgard mag aber ungerne angefasst werden und verteidigt seine Individualdistanz notfalls auch mit Bissen. Leider musste ich selbst noch 2 Beißvorfälle kurz nacheinander miterleben, damit wir das Gefahrenpotential meines Hundes bewusst wurde.

 

Das notwendige Mittel war schnell gefunden, damit Asgard keine Gefahr für sich oder andere darstellt – ein Maulkorb.

 

Wir trainierten fleißig, doch eins wollte mir nicht so recht in den Kopf: Mein Hund, ein Leben lang mit Maulkorb!? Zu diesem Zeitpunkt ein noch quälender Gedanke. Er mochte ihn von Anfang an nicht, wollte ihn loswerden und ich malte mir aus, wie er leidet. Dazu kamen noch die bösen Blicke aller Leute, denen wir begegneten. Eltern rissen ihre Kinder beiseite, Leute wechselten die Straßenseite und ich hatte das Gefühl alle Blicke auf mich zu ziehen. Ich hörte die Leute sagen, ich habe meinen Hund nicht im Griff und würde ich ihn ordentlich erziehen, bräuchte ich ihn nicht mit einem Maulkorb quälen.

 

Lange habe ich selbst mit mir gekämpft und gerungen. Doch dann wurde mir bewusst, dass ich keine andere Chance habe um Asgard ein möglichst normales Leben zu bieten, aber seine Umwelt nicht zu gefährden. Ich habe mich belesen und mit anderen Leuten gesprochen. Habe mir eine gute Maulkorbgewöhnung herausgesucht und beschlossen noch einmal von vorne zu starten.
Es begannen endlose Besuche in Zoofachmärkten und die Suche im Internet bis der richtige Maulkorb gefunden war. Er sollte so sitzen, dass er locker auf der Nase aufliegt, die Nase vorne am Korb nicht anstößt und Asgard den Fang soweit aufmachen kann, dass er problemlos hecheln und trinken konnte.

 

Artikel | Maulkorb drauf 2Je mehr ich mit Asgard trainierte, umso mehr merkte ich, dass ihm der neue Maulkorb gar nicht wirklich etwas ausmachte. Da er nun optimal saß und mein Hund damit problemlos laufen konnte, entspannte ich mich merklich. Auch das gerne genannte Argument das ein Hund sich mit Maulkorb nicht wehren kann, konnte Asgard mir ziemlich schnell widerlegen als er einen “Tut-Nix-Jungspund-Rüden” kräftig vermöbelte, nachdem dieser frontal in ihn reingerannt ist. Auch körpersprachlich ist er weiterhin sehr präsent und kann trotz Maulkorb sehr gut kommunizieren (insofern sein Gegenüber auch versteht was er sagt).

 

Alles in allem kann ich sagen, dass der Maulkorb ausschließlich positive Seiten hat. Mein Hund hat alle Freiheiten die ein “normaler” Hund auch hat, jedoch ohne das er jemandem schaden kann.

 

Da der Maulkorb in den Köpfen der Leute, zu Unrecht, immer noch einen schlechten Ruf hat, obwohl sehr vielen Hunden und Haltern dadurch ermöglicht wird ein normales Leben zu führen, habe ich entschlossen die Aktion “Maulkorb drauf” ins Leben zu rufen. Viele Hundehalter trauen sich nicht ihrem Hund einen Maulkorb aufzusetzen da die Umwelt immer noch sehr abweisend und oft sogar beleidigend reagiert. Ein weiteres Problem ist die kompetente Beratung zum Kauf eines passenden und für den Hund gut sitzenden Maulkorbes. Erst wenn der Maulkorb ohne Einschränkungen getragen werden kann ist es möglich, dass der Hund ihn akzeptiert. Ein gut auftrainierter Maulkorb ist dann für den Hund nichts anderes als für uns beispielsweise die täglich benötigte Brille.

 

Es wird auch in der Zukunft weiterhin vorkommen, dass bestimmte Hunde unterschiedlichster Rassen einen Maulkorb tragen müssen oder der Halter entscheidet dem Hund einen Maulkorb aufzusetzen. Möglichkeiten, warum der Hund einen Maulkorb tragen muss, gibt es viele. Innerartliche Aggressionen, Aggressionen gegen Menschen, Objektbesessenheit oder das Fressen von Hinterlassenschaften oder anderen Dingen, können es notwendig machen einen Maulkorb zu tragen. Außerdem ist es in vielen öffentlichen Verkehrsmitteln sowie in diversen Urlaubsländern Pflicht dem Hund einen Maulkorb aufzusetzen. Auch der Besuch beim Tierarzt kann es nötig machen dem Hund einen Maulkorb aufzusetzen.

 

Artikel | Maulkorb drauf 3„Die Untersuchung zeigt, dass es bei der Verwendung von Gittermaulkörben, bei positiver und ausreichender Maulkorbgewöhnung, durch den Maulkorb keine Einschränkungen in der Kommunikation zwischen Hunden gibt […]“ führt Udo Gansloßer, Verhaltensbiologe und Zoologe, in seinem Buch “Forschung trifft Hund” an. „ […] auch nehmen andere Hunde einen maulkorbtragenden Hund nicht als Irritation wahr und verhalten sich weder aggressiver noch meiden sie denjenigen […]“
(Quelle: Forschung trifft Hund, Kosmos Verlag, 101-102)

 

Er ist weiterhin in der Lage damit zu spielen, zu toben, zu trinken und zu hecheln, ohne dass eine Gefahr von ihm ausgeht. All diese Faktoren erhöhen die Lebensqualität eines Hundes enorm. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass der betreffende Halter deutlich entspannter sein kann und sich dies wiederum auf den Hund auswirkt. Durch die Sicherheit, dass nichts passieren kann ist es möglich mit dem Hund zu trainieren und an seinem Verhalten zu arbeiten, ohne das der Halter Angst haben muss. Letztlich ist der Maulkorb in Raufergruppen, Gruppenstunden oder dem Einzeltraining in Hundeschulen absolut notwendig, um mit den Hunden gefahrlos trainieren zu können, sie zu resozialisieren oder sie sich einfach mit Artgenossen austauschen zu lassen.

Wir wünschen uns mehr Akzeptanz für den Maulkorb und eine Sensibilisierung der Halter, denen die Angst genommen werden soll, ihrem Hund einen Maulkorb aufzusetzen. Wir wünschen uns eine Umwelt, in der man nicht diskriminiert wird und Medien, welche sachlich und vor allem fachlich richtig über das Thema berichten.

Wenn ihr die Aktion unterstützen wollt, Fragen habt oder euch einfach mit Gleichgesinnten austauschen wollt, besucht die Homepage der Aktion www.maulkorb-drauf.jimdo.com oder schaut einfach auf Facebook unter www.************/maulkorbdrauf vorbei.

 

3 Kommentare

Kommentare sind geschlossen

  1. mariama 4 Jahren ago

    Finde es gut dass du dich informiert hast um den richtigen Maulkorb zu finden. Es gibt genug Hunde Besitzer die einfach einen nehmen und es ist ihnen egal ist ob er passt oder nicht!
    Ich selbst hab auch einen Maulkorb der nicht so viele Freiheiten bietet jedoch trotzdem gut sitzt. Muss aber dazu sagen das ich ihn nur benütze wen ich wo hin gehe wo es Pflicht ist da meine Hündin sich alles gefallen lässt und wen es ihr reicht knurrt sie oder geht einfach weiter.
    & alle Leute die sagen ein Hund mit Beißkorb ist gefährlich sollten sich besser informieren! Oder wer sagt Beißkorb ist nicht gut!

  2. Jenny 4 Jahren ago

    Ich finde es nicht okay, dass der Hund einen Maulkorb tragen muss weil Fremde ihn anfassen wollen! Man sollte nicht einfach einen Hund streicheln, den man nicht kennt! Und wenn man es tut, dann hat man selber Schuld wenn man gebissen wird! Die Menschen müssen sich mal den Tieren anpassen und nicht immer umgekehrt! Wahrscheinlich wird Ihr Beitrag dafür sorgen, dass die Menschen sich im Recht fühlen und werden dann jeden Hund mit Maulkorb streicheln können und der Hund muss das aushalten :-( Die Menschen reagieren nicht auf die Hundesprache, erst Recht nicht wenn der Hund sich nicht wehren kann! Und wer weiß, was die Menschen dann noch alles mit dem Hund anstellen!!!

    • uusikuu 2 Jahren ago

      danke für Deine Worte. Ein Maulkorb kann etwas sehr gutes sein und dem Hund Freiheiten geben, die er ohne Mauli nicht hätte. Jedoch finde ich es auch sehr unglücklich (formuliert), dass Asgard einen Maulkorb tragen soll, weil Menschen seine persönliche Wohlfühlzone (Distanzzone) nicht respektieren und die/seine Grenzen überschreiten. Hier bin ich als Halter und als Chef des Hundes gefordert, für ihn Partei zu ergreifen und etwaige Handlungen verbal zu unterbinden, ggf. auch leicht körperlich, in dem ich den Weg versperre und blocke. Gleichzeitig zeige ich auch so meinem Hund, dass er mit mir einen verlässlichen Rudelführer hat, dass ich vor ihm stehe und somit auch, dass Angst und Aggression gar nicht von Nöten sind. Und schon sind wir (wieder) mitten im Training :) Würde ein Hund nun permanet die Menschen anspringen und mit seinen Vorderpfoten betatschen, ist das Genöhle in der Regel beim Menschen groß >> ein Vergleich, den man gut zur Veranschaulichung und zur Erklärung den menschlichen Betatschern “darreichen” kann ;)
      … ok … ich schweife und dazu auch noch ab
      Maulis sind ok; sich einen anzuschaffen, wenn man mal ein gutes, passendes Modell findet, empfiehlt sich sicher und das Anlegen und alles Weitere dann auch zwanglos mit dem Hunderl zu üben, ohne dass es eine Veranlassung gibt, erst recht. So gibt es im Falle eines Falles keinen Stress und alles bleibt easy.
      Aber nicht dabei bitte nicht die eigene Verantwortung vergessen.

 

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -

Personen denen das gefälltx

Laden...

Melde dich an

oder    

Anmeldedaten vergessen?

Create Account